Artworks
Einzelanzeige Werk
Ivo Vonlanthen
Glasmalerei
2008 · Glasarbeit
Bilder zum Werk in hoher Auflösung und beliebigem Format
Quadratische Bilder für Karussell in Detaildarstellung
Thumbnail für die Listendarstellung
Anlässlich einer umfassenden Restaurierung der um 1700 erbauten Jakobskapelle gestaltete der in Niedermuhren aufgewachsene Künstler Ivo Vonlanthen die vier modernen Glasfenster. Er beabsichtigte den Andachtsraum nach aussen hin abzuschirmen, um so eine bessere innere Einkehr des Besuchers zu ermöglichen. In der Themenfindung nahm Vonlanthen Bezug zum Lebensrhythmus der meist bäuerlichen Bewohner dieses Weilers, der geprägt ist durch den Lauf der Jahreszeiten. „Ich empfinde Niedermuhren, als Dorfgemeinschaft und Landschaft, seit meiner Kindheit als ganz erdverbundenen Ort. Die Menschen, die hier wohnen und arbeiten, sind seit eh und je vor allem Bauern und mit dem Erdrhythmus sehr verbunden. (...) Ich möchte ein Erdlied entwerfen, wohl in sich ruhend als Ganzheit, aber auch gleichzeitig sich wandelnd in jedem einzelnen Fenster. Ein Lichtzyklus als Parallele zum Zyklus des Wachsens, Reifens, Vergehens und zum Neuanfang.“
In den poetisch anmutenden Zeilen des Künstlers werden die Farben der vier Fenster beschrieben und man erahnt dabei die symbolische Dimension, die er dem Licht und den feinen Farbstimmungen zumisst: „Ein erdiges Gelb, frisch und übermütig wie der Frühling oder die ersten Strahlen der Morgensonne, ein tiefes Rot für das innere Feuer des Sommers, ein Braun für das Zurück zur Erde des Herbstes und ein Graublau für das ruhige Winterlicht, das Warten auf die Wiederkehr.“
„Schattenformen, wie vorüberziehende Wolken wandeln sich in jedem Fenster anders. Ein zweites Entstehen und Vergehen, nur dichter, materieller.“ - Ungewöhnlich zeigen sich die Fenster in ihrer formalen Gestaltung. Vonlanthen verwendet nicht die traditionelle Bleirutenverglasung oder die modernere Technik des Betonfensters, sondern belässt die Scheiben integral in der ursprünglichen Dreiteilung. Für die feine wolkige Zeichnung bedient er sich der Grisaille- und Schwarzlottechnik. Es handelt sich dabei um ein, seit dem Mittelalter bekanntes Verfahren, mit dem eine ausgeprägte Licht-Schattenwirkung erzielt werden kann. Schwarzlot ist eine spezielle Schmelzfarbe, die bei einer Temperatur von 600° C ins Glas eingebrannt wird und so dauerhaft fixiert werden kann. (BF)
- Warum werden in Kirchen und Kapellen oft farbige Glasfenster verwendet?
- Wie wirken die Fenster von Vonlanthen auf dich? Kannst du sie den vier Jahreszeiten, dem Thema der Glasbilder dieser Kapelle, zuordnen? Erläutere die Zuordnung.
- Welche Farben sind typisch für den Frühling, den Sommer, den Herbst, den Winter? Erstelle eine eigene Farbensammlung für die vier Jahreszeiten (mit Wasserfarben oder mit farbigen Papierschnipseln aus illustrierten Zeitschriften).
- Der Künstler beschreibt in seinem Begleittext die vier Jahreszeiten. Verfasse ein kurzes Gedicht deiner bevorzugten Jahreszeit und illustriere den Text mit einem Farbfleckenbild. Verzichte dabei auf gegenständliche Darstellungen und konzentriere dich auf die Wahl von passenden Farben.
- Nimm Bezug zum bekannten musikalischen Werk "Die vier Jahreszeiten" von Antonio Vivaldi. Entwerfe einen passenden CD-Umschlag.
Zum Thema "Die vier Jahreszeiten" vergleiche den Beitrag:
> Alterswil / Brunnenanlage / Kälin und Wymann
- Quellenhinweise
-
- Vonlanthen, Ivo, Glasfensterprojekt Kapelle Niedermuhren (Unveröffentlichte Projektbeschreibung des Künstlers), 2007
- Wikipedia: Fusing
- Fusing (farbiges Gestalten von Glas) Beim Fusing (dt. Verschmelzung) oder Fusen (neudeutsch für Glasverschmelzung) werden verschiedene (weiße oder farbige, eventuell mit Glasschmelzfarbe bemalte) Glasstücke bei 780–900 °C miteinander verschmolzen. Die Schmelztemperatur ist von Zusammensetzung und Dicke der Gläser abhängig. Temperaturbeständige Gegenstände, wie etwa Metalle, können mit eingeschmolzen werden. Fusing ist in seinen Grundlagen, nach bisherigem archäologischem Wissensstand, ein mindestens 2200 Jahre altes Glasverarbeitungsverfahren. In den letzten Jahrzehnten wurde es zu einer der vielseitigsten und technisch anspruchsvollsten Glasverarbeitungstechniken weiterentwickelt. Viele Glasereien und künstlerische Glasstudios können Glas nach der Fusing-Technik verarbeiten. Das Verfahren wird in großer Variationsbreite eingesetzt: Von Modeschmuck und der Dekoration von Gegenständen bis hin zu Kunstobjekten, großen künstlerisch gestalteten Fenstern und anderen Glaselementen in Architektur und Innenarchitektur. Folgende Grundvarianten des Fusing werden unterschieden: - Relief - Vollverschmelzung - Glasfluss, - Glaspaste wird in Form geschmolzen. Konventionell handwerklich kann Fusing folgendermaßen ablaufen: Aus verschiedenfarbigen Glasplatten werden passende Teile mit einer besonderen Zange abgezwickt oder mit einem Glasschneider abgeschnitten. Die Glasstücke setzt der Glaskünstler dem Entwurf entsprechend zusammen, beispielsweise als Muster für den Rahmen eines Spiegels oder für die Herstellung einer Glasschüssel. Zwischenräume werden oft mit Glaspulver aus zerstampften Glasplatten ausgefüllt. Nun werden die Stücke im Brennofen verschmolzen. Die Temperaturen werden so gewählt, dass das Glas noch nicht als Flüssigkeit verläuft, alle Glasteile und Partikel aber eine dauerhafte Verbindung eingehen. Bei entsprechender Temperaturführung kann ein vollkommen geschlossener und harter Glaskörper hergestellt werden. Dieser Brennvorgang dauert, abhängig von Dicke und Durchmesser des Glases, etwa 18 bis 22 Stunden. Der Glaskörper wird zunächst zu einer flachen Platte verschmolzen, die bei Bedarf in einem zweiten Arbeitsgang in einem Glasschmelzofen weiter geformt wird, z. B. wenn daraus eine Glasschüssel entstehen soll. Dazu werden Trägerformen oder Modelle verwendet, die oft aus Ton oder unglasierter Keramik bestehen. In konkave Modelle kann sich die erhitzte Glasplatte absenken und über konvexe Modelle kann sie sich aufbiegen. Die Form muss etwas größer als die Glasplatte sein, da Glas sich bei Erwärmung ausdehnt und beim Abkühlen zusammenzieht. Auf die entstandenen Objekte können nach dem Abkühlen Glasveredelungstechniken angewendet werden: Gravieren, Glasmalen, Schleifen, Sandstrahlen oder Ätzen. Eine fortgeschrittene Anwendung des Verfahrens ist die Herstellung großer selbsttragender Glasscheiben oder Glasobjekte, die beispielsweise als Gegenwartskunst oder als Kirchenkunst künstlerisch kontrolliert gestaltet werden können. Dafür werden auch industriell hergestellte Glasbruchstücke (Fritten) und Glaspulver aus farblosen und farbigen Gläsern verwendet. Die Herstellung derartiger Fusing-Stücke setzt künstlerisches Talent und die Kenntnis der Verfahrenstricks voraus. So müssen die zusammengeschmolzenen Gläser den gleichen Ausdehnungskoeffizienten (AKW) haben und die Erhitzung und Abkühlung des Glases muss genau kontrolliert bestimmten Temperaturkurven folgen. Andernfalls können im Glas mechanische Spannungen entstehen, die es zerreißen oder zerspringen lassen. Große Fusing-Stücke können daher nur in einem Flachbett in digital gesteuerten Brennöfen hergestellt werden. Besonders fortgeschrittene Glaskünstler verwenden Glasöfen der Bauart Glory Hole, weil sie es gestatten, kleinere Glasmassen direkt in verschiedenen angeschmolzenen oder nahezu flüssigen Zuständen künstlerisch zu bearbeiten. Glas wird dabei immer wieder für einen neuen Arbeitsgang durch das Loch in der Ofenwand gehalten und aufgeheizt, um es dann außerhalb des Ofens bearbeiten zu können. Zur ebenso direkten Bearbeitung dienen Öfen mit ausziehbarem Flachbett. Das im Flachbett liegende Glas wird auf Bearbeitungstemperatur gebracht und dann für kurze Zeit aus dem Ofen hervorgezogen. Unter Beachtung der richtigen Verfahren und Vorsichtsmaßnahmen werden dann beispielsweise Chemikalien, Metallstaub oder farbige Glaspulver auf das angeschmolzene oder geschmolzene Glas gebracht. Besondere Kenntnisse setzt es voraus, mit Werkzeugen direkt gestalterisch in diese Glasmasse einzugreifen. Eine weitere neue Variante ist die Pàte-de-Verre-Herstellung großformatiger Glasplastiken. (Wikipedia 2016)