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Raynaud Jean-Pierre

Blumentopf

1962, Plastik

Raynaud Jean-Pierre

Beschreibung

Jean-Pierre Raynaud ist ein französischer Maler und Bildhauer, der seit Beginn seiner künstlerischen Laufbahn nach neuen Ausdrucksformen sucht, welche ein neuartiges Erleben von Kunst ermöglichen sollen. Hierzu werden alltägliche Gegenstände auf eine ungewohnte Weise in Szene gesetzt. Eine persönliches Aussage des Künstlers verdeutlicht die Vorgehensweise: „Ich erfinde nichts Neues. Ich bin bloss ein Katalysator; ich nehme gewöhnliche Objekte und unterziehe ihr Äusseres einer minimalen Verwandlung. Damit will ich bloss ihre poetische Seite zeigen“ (Aus dem Französischen in: Duby et al., 1124). Die Möglichkeit, ein „Maximum an Spannung durch das Minimum an Elementen“ zu erreichen, indem man „ein möglichst komplexes Resultat aus simplen Bausteinen“ erreicht, liegt vielen Werken Raynauds zu Grunde. Dies gilt ebenfalls für den gigantischen, rotgefärbten Blumentopf, der beim ehemaligen Eingang zum städtischen Schlachthof, heute Teil des Museums, steht. Durch seinen früheren Beruf als Gartenbauer hat Raynaud eine pragmatische Beziehung zu diesem Objekt. Aber dank seiner übertriebenen Grösse und seiner öffentlichen Präsentation erhält der Alltagsgegenstand durch die Zweckentfremdung eine neue Funktion: Aus seinem eigentlichen Kontext herausgerissen und überproportioniert, steht er nun als Kunstwerk da. Im Alltag dient der Blumentopf als Behälter für organisches Material wie Blumen, die aus seiner fruchtbaren Füllung hervorspriessen. Er ermöglicht pflanzliches Wachstum, wo sonst nichts wachsen könnte. Im Kontrast dazu, wurde der riesige Blumentopf mit Beton gefüllt und verwehrt sich damit ironischerweise jeglicher Kombination mit organischem Material. Dennoch ist Beton als konstruktives und kreatives Material in einer Stadt allgegenwärtig und lässt auf seine Art Gebäude wie Blumen aus dem Boden spriessen. Es könnte daher sein, dass Raynaud mit dem Betonblumentopf folgendes ausdrücken möchte: Wie der Gärtner seinen Garten, muss auch die Stadt ihre Betonlandschaft hegen und pflegen. (AW/bf) Zur Information: Werk zurzeit in Reparatur!

Material

Standort

Adresse:
Rue du Varis
1700 Freiburg-Stadt
Umfeld des Werkes: Rue du Varis
Zugänglichkeit:
Bedachung: keine
Vegetation: Bäum in der Umgebung
Verkehrsbelastung: mittel

Studium

  • Kann ein Alltagsobjekt auch gleichzeitig ein Kunstwerk sein? Diskutiere in Gruppen, welche Argumente dafür oder dagegen sprechen. Beachte dazu die Frage: Was sind die spezifischen Eigenschaften eines Kunstwerks?
  • Erläutere das oben stehende Zitat. Was meint der Künstler mit "Katalysator" (- einem Begriff, der uns vorallem im Zusammenhang mit der Autoabgastechnologie bekannt ist)?
  • Was steckt hinter den „Ready Mades“ der Dada-Bewegung, die vom französichen Künstler Marcel Duchamp wesentlich geprägt wurde? Gibt es eine Beziehung zum Werk Raynauds?
  • Weshalb hat der Künstler den Topf mit Beton gefüllt, anstatt darin Blumen zu pflanzen? Was wäre, wenn er Blumen enthalten würde?
  • Verwende die Technik der Collage / Fotomontage; wähle ein Alltagsobjekt und integriere dieses in eine passende Landschaft (ev. ein Bild aus deiner bekannten Umgebung).
  • Wähle ein Objekt, das du mit Ton, Holz, Gips oder anderen Materialien verkleinert oder vergrössert reproduzieren kannst. Wie wirkt der Gegenstand mit seinen neuen Proportionen? Welche neuen Eigenschaften hat er durch seinen Wandlungsprozess erhalten?
  • Ist die Veränderung der Grössenverhältnisse die einzige Möglichkeit Gegenstände zu verfremden? Suche nach weiteren Varianten und verwende diese in der eigenen gestalterischen Arbeit.

Quellen

  • Wikipedia
  • Duby, Georges et al. La Sculpture : De l’Antiquité au XXe siècle, 2 volumes. Taschen, 2010. Print, pp. 1057 f.
  • http://www.fribourgtourisme.ch/de/navpage-CultureArchFR-FribArtFR-123223.html (13.02.12, 08:15)
pARTicip App: Blumentopf