In der Parkanlage des SBB-Ausbildungszentrums, dem ehemaligen herrschaftlichen Landsitz Löwenberg, begegnet der Besucher am Gehweg zur Bahnstation einem riesenhaften Stuhl. Passend zum Ort verwendete der Künstler für dessen Bau massive Eisenbahnschwellen als Werkmaterial. Der Stuhl, ausgestattet mit Rückenlehne und Armstützen, ist geprägt durch ein strenges horizontales und vertikales Gefüge der Eichenbalken. Der imaginäre Benutzer thront auf überproportioniert hohen Stuhlbeinen. Grösse, Form und Materialwahl verleihen dem Gebilde eine archaische Wirkung, die mit der Modernität der Architektur im Hintergrund kontrastiert. Der Zürcher Künstler nannte sein Werk etwas schalkhaft „Eisenbahnerlehrstuhl“. Es war ein Geschenk des Eisenbahnerverbandes anlässlich der Eröffnung des Ausbildungszentrums im Jahre 1983.
Diese Holzplastik reiht sich in eine Reihe von Eisenbahnschwellenkonstrukten ein, die Anfang der Achtzigerjahre entstanden sind. „Ramp hat auch den „Funktionär“ gebaut, einen riesigen Stuhl, Sinnbild für die Unbeweglichkeit und Selbstgefälligkeit der Verwaltung“ (Hartmann 2007). Ist vielleicht der „Eisenbahnerlehrstuhl“ in Muntelier auch augenzwinkerndes Mahnmahl an die Dozierenden des Ausbildungszentrums, so wie der „Funktionär“ die träge Beamtenwirtschaft der Zürchermetropole aufs Korn nahm? (BF)